Der Stammbaum des Homo sapiens
Auch
wenn prinzipiell nicht mehr daran gezweifelt werden kann, daß der
frühe Mensch aus Afrika stammt, so ergeben sich bezüglich der
Einordnung des Negriden in die anthropologische Reihenfolge seines
sukzessiven Erscheinens doch erhebliche Schwierigkeiten. Afrikaner
ist nicht gleich Afrikaner; die Theorie übersieht generell, daß es
sich speziell bei den im Sudan lebenden Negriden um dunkle Europide
handelt, und auch die Einteilung der Blutgruppensysteme läßt klar
erkennen, daß vieles auf eine engere Verwandtschaft des Europiden
mit dem Negriden hindeutet als mit dem Mongoliden.
Rassengeschichtlich war das südlich der Sahara gelegene Afrika,
welches wir heute Schwarzafrika nennen, fast bis zuletzt ein
menschenleerer Raum, der erst ab 1500 v. Chr. mit aus Westafrika
eingewanderten Bantu-Völkern aufgefüllt wurde, zu einer Zeit also,
wo in Asien schon seit Jahrtausenden Hochkulturen blühten. Vor dem
ersten Auftreten des Negriden war Afrika mit Angehörigen der
kleinwüchsigen afrikanischen Altschicht besiedelt, zu deren
Vertretern die noch heute dort lebenden Khoisaniden (Buschmänner,
Hottentotten) und Bambutiden (Pygmäen) gehören. Deren Wurzeln weisen
jedoch eindeutig in den austro-melanesischen Raum, zu deren
Vertretern die ebenfalls kleinwüchsigen Andamanesen und Nikobaresen,
aber auch die auf den Philippinen lebenden und als Negritos
bezeichneten Aëta gehören, allesamt femininen Rassenstils. Ohnehin
ist die Ermittlung des menschlichen Stammbaums ohne Ansehen des
Rassenbildes kaum möglich.

Abbildung 1: Der Stammbaum der mitochondrischen
Eva
Besser geeignet für das Nachvollziehen
der Abstammung des Menschen als die autosomale DNA ist die nur von
der Mutter weitergegebene mitochondrische DNA. Sie gewährt Einblick
in die allerjüngste Vergangenheit des Menschen, in der sich die
Entstehung der Rassen erst vollzogen hat. Aus der vermeintlichen
Tatsache, daß sich auf dem einen von der ermittelten Wurzel des
Stammbaums abzweigenden Ast nur Afrikaner befinden, auf dem anderen
Personen aus allen Erdteilen, kann nicht zwangsläufig geschlossen
werden, daß die mitochondrische Eva in Afrika gelebt haben muß, weil
über die Entstehung dieser Zweige nur Vermutungen angestellt werden
können. Beispielsweise könnten nach Afrika zurückkehrende Gruppen
neue Zweige erst viel später begründet haben. Auch, daß der
mitochondrische Stammbaum tiefe Äste in Afrika, aber sternförmige
Struktur außerhalb zeige, muß nicht notwendig die
Out-of-Africa-Theorie stützen.
Älteste Funde des fossilen Homo
sapiens reichen bis auf eine Zeit von lediglich 100.000 Jahren
zurück, während die mitochondrische Eva vor ca. 175.000 Jahren gelebt
haben soll, also viel älteren Datums ist. Aus diesem Zeitraum liegen
aus Afrika aber noch keine Sapiensfunde vor, und die ältesten
bekannten Reste sind bereits voll ausgeprägte grob-großwüchsige
Europide. Der Stammbaum des Homo sapiens basierend auf den
Erkenntnissen über die mitochondrische DNA (Abbildung 1)
beginnt in Ostafrika (Haplogruppe M1) und endet in Europa (Haplogruppe
H). Die Haplogruppe M1 ist aber nur äußerster
Vorposten einer viel größeren Haupthaplogruppe M, die ihr
heutiges Zentrum in Indien besitzt, vermutlich unter der
drawidischen Urbevölkerung protomalaiischen Ursprungs, und die in
ihrem weiteren Verbreitungsgebiet große Teile Süd-, Südost- und
Ostasiens umfaßt und im Osten nicht weiter als bis Melanesien
reicht. Um den austronesischen Kernraum Borneo gruppieren sich in
beträchtlichen Frequenzen die davon abzweigenden Haplogruppen D
und E, wobei die Haplogruppe E bereits unter der
taiwanesischen Urbevölkerung wieder versickert, während die
Haplogruppe D den Schwerpunkt des späteren tungiden
Rassenzentrums bildet und sich von Melanesien bis in den äußersten
Zipfel Südamerikas fortsetzt. Die Haplogruppe D erreicht ihr
Maximum auf den Alëuten und läßt sich über Nordamerika und die
Beringstraße zurückverfolgen bis ins Herzen Chinas und weiter nach
Südostasien. Parallel dazu entwickelt sich die Haplogruppe C,
die bereits im Altai deutlich an Frequenz gewinnt und ihr Maximum
bei den Ewenken, aber auch bei den benachbarten Jakuten annimmt.
Über die Beringstraße folgt diese zweite tungide Haplogruppe dem
Verlauf von D bis in die äußersten Spitzen Südamerikas. Auf
Feuerland stellen C und D sogar die einzigen
Haplogruppen dar. Sie zählen somit zu den ältesten uns bekannten
Haplogruppen der mitochondrischen DNA. Zudem fällt auf, daß in
Südamerika unter den in Rückzugsgebieten lebenden indigenen Völkern
C und D am häufigsten sind. Die Indianiden Feuerlands
charakterisieren somit die ersten palämongoliden Einwanderergruppen
Amerikas, die zugleich in die unwirtlichsten Gebiete abgedrängt
wurden. Die Haplogruppen G und Z tauchen, wenn
überhaupt, dann meist nur sporadisch auf, während die isolierte
Haplogruppe Q auf Melanesien begrenzt zu bleiben scheint. Die
Haplogruppe G läßt sich in Thailand und China nachweisen und
erreicht ihr Maximum bei den Burjaten, größere signifikante Anteile
sind letztmals auf den Alëuten zu finden. Auch die Haplogruppe Z
konzentriert sich im wesentlichen auf die Han-Chinesen.
M kommt also ersichtlich auch in
Afrika vor, L3 hingegen nicht in Asien. Wenn also die
austronesische Haplogruppe nach Afrika transportiert wurde, die
afroasiatische aber nicht nach Asien, so widerspricht es den
Gesetzen der Logik, Afrika als den Ursprung der Mutter-Eva
anzunehmen. Vielmehr verhält sich genau umgekehrt, was auch völlig
im Einklang mit den anthropologischen Befunden steht. Die direkte
Ankopplung erfolgt über die in Süd- und Südostasien stark vertretene
Haplogruppe M, die in die Altschicht-Haplogruppe L3
mündet, aus der die anderen afrikanischen Haplogruppen sowie die
australide Haplogruppe N hervorgehen. Mithin ist die
Niger-Kongo-Haplogruppe L1 die jüngste unter den drei
afrikanischen. Die afrikanische Altschicht bildet somit das
Bindeglied zwischen Alteuropiden und Mongoliden einerseits und
Negriden und Mongoliden andererseits. Würde der Europide sich
unmittelbar aus dem Negriden herleiten, hätte mongolides Rassengut
niemals Einzug in die Haplogruppe A der Eskimiden bzw. die
Haplogruppe Y der Niwchen halten können, zumal im Negriden
noch kaum mongolides Rassengut verankert ist. Die Alteuropiden sind
also mit der afrikanischen Altschicht verknüpft und die afrikanische
Altschicht wiederum mit den Austronesiern. Erst die Austronesier
haben ihre Wurzeln in Ostafrika, allerdings in keiner der
Haplogruppen L. Als Besonderheit am menschlichen Stammbaum
fällt auf, daß die afrikanische Haplogruppe L3 sozusagen eine
Brückenfunktion zwischen M und N einnimmt, direkt aus
Ostafrika heraus wird aber nur M gespeist, wo sich zweifellos
in der Haplogruppe M1 auch die Urheimat der „Mutter-Eva“
befinden muß. Des weiteren fällt auf, daß in homogenen Populationen,
insbesondere in Schwarzafrika, ganz Amerika, Ozeanien und Australien
nur einige wenige Haplogruppen die genetische Vielfalt ausmachen,
während speziell bei Völkern Europas und Asiens eine Vielzahl
solcher Haplogruppen das mitochondrische Kolorit ergeben, das somit
nur als Resultat langdauernder Vermischung angesehen werden kann.
Junge, erst seit kurzem entstandene Rassen haben sozusagen noch
nicht die nötige Zeit erübrigen können, sich genetisch mit anderen
auszutauschen. Sie stellen somit einen noch hohen Reinheitsgrad dar.
Das hängt auch mit ihrer Besiedlungsgeschichte zusammen. Am
buntesten ist die Durchmischung unter den klassischen Hochkulturen
Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas und Indochinas.
Während die Haupthaplogruppe M
weitgehend auf Ost- und Südostasien sowie auf Amerika beschränkt
ist, ist die Haplogruppe N weltweit verbreitet. So finden wir
die australische Haupthaplogruppe N nahezu überall, außer
südlich der Sahara, und sie nimmt daher auch die längsten Zeiträume
für ihre Ausbreitung in Anspruch, während die austronesische
Haupthaplogruppe M offenbar über das östliche und südliche
Asien sowie den amerikanischen Doppelkontinent nicht hinausgekommen
ist. So sind Inder und Europäer deutlich weniger miteinander
verwandt, als es aufgrund der gemeinsamen indoarischen Abstammung
den Anschein haben mag. Viel enger sind die Bande hingegen zwischen
Indern und Indonesiern oder Han-Chinesen, selbst ihre Verwandtschaft
zu Ostafrikanern ist enger als die zu Europäern. Der Kern der großen
weitverzweigten Haupthaplogruppe N mit ersten europiden
Anklängen liegt vermutlich in Australien. Während die Haplogruppe
N in China sehr schnell versickert, nimmt ihre größte
Untergruppe A erstmals in Sibirien größere Ausmaße an und
erreicht ihr absolutes Maximum bei den Eskimiden. Diese immer noch
deutlich mongolid wirkende Haplogruppe besitzt in den Hochkulturen
Mittelamerikas auffallend hohe Frequenzen. Nur einen rudimentären
Rest alteuropider Haplogruppen finden wir in geringen Spuren noch in
der vorindogermanischen Bevölkerung Europas bzw. der protoiranischen
Bevölkerung Asiens vertreten, insbesondere in den bis in die
Turanebene verweisenden Haplogruppen I, W und X.
Die Haplogruppe A ist bestimmend
für die Na-Dené-Kultur Nordamerikas, deren Verbindung zur Alten Welt
aus einem Zipfel Paläosibiriens besteht, und die sich in mehr oder
minder ausgeprägten Anteilen aber auch noch bis China findet. A
scheint indianider Eigenprägung zu sein und kommt bei Eskimiden so
gut wie ausschließlich vor. Eine ähnliche Prägung zeigen auch die
nur bei den Niwchen vorkommende Haplogruppe Y und die im
Gebiet der großen Seen angesiedelte Haplogruppe X, beide
paläosibirischen Ursprungs. Die Paläosibirier ihrerseits sind
australider Herkunft.
Die Wiege der Kaukasier steht indes in
Indochina, denn dort besitzt die Haplogruppe R, die größte
und am weitesten verzweigte Untergruppe von N, ihr absolutes
Maximum. Mit der Abspaltung der Haplogruppe R, die sich
zunächst noch voll auf Asien konzentriert, ihr Maximum in Thailand
annimmt, setzt die jüngere europide Rassengeschichte ein. Von R
zweigt die Haplogruppe B der Polynesier ab, in denen sich
noch reichlich Mongolides niedergeschlagen hat. Sie läßt sich über
Neu-Guinea und Taiwan, aber auch die Philippinen bis nach China
zurückverfolgen und kennzeichnet die palämongolide Bevölkerung
Chinas mit bereits überwiegend europiden Zügen. Sie taucht im
gesamten nordsibirischen Raum und auch in Alaska und Kanada nirgends
mehr auf. Ihre Häufung an der Westküste des amerikanischen
Doppelkontinents deutet aber darauf hin, daß zumindest eine Gruppe
Polynesier Süd- oder Mittelamerika auf dem Seeweg erreicht haben
muß, möglicherweise von den Osterinseln aus, und daß der kulturelle
Anstoß der indianischen Hochkulturen vom pazifischen Raum aus
erfolgt ist. Mindestens zwei gesicherte Vorstöße der
seefahrenden Polynesier in eisführende Gebiete der Antarktis lassen
es als äußerst unwahrscheinlich erscheinen, daß ein Vorstoß nach
Osten, weiter als nur bis zu den Osterinseln, nicht im Bereich des
Möglichen gelegen wäre. Die Hochkulturen Mittel- und Südamerikas
können allem Anschein nach nur eine Folgezivilisation der Polynesier
sein, die sich ihrerseits über die Haplogruppen N und L3
auf die Induskultur zurückverfolgen lassen. Das Vordringen der
Haplogruppe B nach Amerika auf dem Landweg über die
Beringstraße scheint hingegen nach den Erkenntnissen, die sich aus
der mitochondrischen DNA ergeben, so gut wie ausgeschlossen.
Überhaupt sind sämtliche frühen kulturellen Ansätze europiden d.h.
australiden Ursprungs, andere Varianten sind aufgrund des höheren
Rassenalters der Europiden gar nicht denkbar.
In engerem Bezug zur Haplogruppe R
steht auch die uralische Haplogruppe F, die im Osten bis zu
den Ureinwohnern Taiwans reicht, die austroasiatischer Herkunft und
allem Anschein nach mit den Polynesiern verwandt sind. Ebenfalls
noch vorindogermanischer d.h. kaukasischer bzw. uralischer Natur
scheinen die Haplogruppen J, T, U und K
zu sein. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Tarimbecken über den Ural
bis in den äußersten Westen Europas. Diese Haplogruppen liefern in
Nordeuropa nur im slawisch-finnisch-baltischen Raum sowie unter den
Türken einen nennenswerten Beitrag zum Gengemisch. Wahrscheinlich
handelt es sich bei ihren Trägern noch nicht um eine vollständig
helle Komplexion, was auch die relativ hohe Zahl dunkelhaariger
West- und Mitteleuropäer erklären würde.
Deutlich auf den iranischen Sprachraum
begrenzt ist die einstmals viel weiter verbreitete protoiranische
bzw. turanide Haplogruppe HV, die heute ein Maximum im
Bereich des Turanbeckens aufweist, der vermuteten Urheimat
sämtlicher indoeuropäischen Völker, und die sich über ihre
unmittelbare Vorläuferin, die Haplogruppe R, bis nach
Thailand zurückverfolgen läßt. Von ihr zweigt einerseits die
indogermanische Haplogruppe H ab, die ihr Maximum in Westeuropa
annimmt und bis an den Hindukusch und in die Mongolei reicht,
andererseits die bei den Samen und Finnen verbreitete finnische
Haplogruppe V. Wenn man die in Europa einschließlich
Nordafrika häufigste Haplogruppe H also den Indogermanen
zurechnen möchte, so ergeben sich letzte Hinweise in den Steppen der
Mongolei, wo die Spuren langsam verschwinden. Auch in Kleinasien,
Nord- und Nordostafrika, insbesondere in Ägypten, findet sich noch
reichlich Indogermanisches in signifikanten Anteilen, was aber wohl erst
in der Spätzeit des Römischen Reichs während der germanischen
Völkerwanderung dorthin getragen worden sein kann.
Diese Ausbreitungstheorie wird
vollkommen gestützt durch die Verteilung der Blutgruppensysteme,
soweit sie der hominiden Phase der Sapiensentwicklung zuzuschreiben
sind. Es scheint in der Tat eine starke Korrelation zwischen
einzelnen Haplogruppen und dem AB0-Blutgruppensystem zu
geben. So können wir beispielsweise feststellen, daß die Blutgruppe
A vor allem in der Haplogruppe N und ihren
Untergruppen A, B und H stark vertreten ist,
also unter den australischen Ureinwohnern, den Eskimos, Polynesiern
und Indogermanen. Die Blutgruppe A ist selten in Südamerika und
südlich der Sahara, wo die Haplogruppen C, D und L
dominieren, also am Anfang des Stammbaums, weil sie unter diesen
beinahe ausgestorben ist. Die Blutgruppe B hingegen
kennzeichnet die Haplogruppen M und L, was L
eindeutig in größere Nähe zu M rückt. In den Haplogruppen
N, P, A und B scheint die Blutgruppe B
fast völlig zu fehlen, aber auch in C und D, wo sie
bereits gänzlich ausgestorben ist. Die Blutgruppe 0 finden
wir in den Haplogruppen Q, C, D und L1,
L2, L3 in erhöhtem Maße, also in Melanesien,
Südamerika und südlich der Sahara, aber auch noch in den etwas
jüngeren Haplogruppen N, A, B und H, die
schon stärker modifiziert sind. Die Blutgruppe AB ist in der
Haplogruppe V am stärksten vertreten, die von der Haplogruppe
HV, der gemeinsamen Vorfahrin germanischer und finnischer
Völker, abzweigt. Wir schließen daraus, daß die jüngsten indigenen
Völker in Melanesien, südlich der Sahara und in Südamerika leben, wo
die Vielfalt an Haplogruppen am stärksten eingeschränkt ist. Das
wird auch durch die dort gesprochenen austronesischen, Niger-Kongo-
und amerindischen Sprachen untermauert, die mit kaum einer anderen
Sprachfamilie verwandt sind. Es fällt außerdem auf, daß alle diese
Völker jeweils an den äußersten Enden großer kontinentaler
Landmassen leben, die vom zentralasiatischen Kernraum des modernen
Menschen am weitesten entfernt sind. Daher sind die Haplogruppen
L und M älter als die Haplogruppe N, die erheblich
zahlreichere Modifikationen erfahren hat, erkenntlich daran, daß sie
sternförmig verzweigt. Was nun die Verbreitung des anthropologischen
Fundguts angeht, so zeigt sich, daß dieses mehrheitlich und einer
hohen Kulturstufe sich erfreuend aus dem europäisch-nahöstlichen
Raum stammt, wo eindeutig die indogermanische Haplogruppe H
dominiert, die das derzeitige Endstadium der menschlichen
Entwicklung darstellt.
Einen weiteren wichtigen Befund für die
Populationsgenetik liefert das Rhesus-Blutgruppensystem, das erst in
der hominiden Phase der Menschheitsentwicklung ausgebildet wurde. So
werden ältere Populationen mit höherer Wahrscheinlichkeit auch einen
jüngeren Haplotyp des Rhesusfaktors aufweisen, da sie ja eine höhere
Anzahl von Mutationen erfahren haben, während jüngere in der Regel
noch über einen älteren verfügen. Die jüngste Rasse müßte demnach
die protomalaiische sein, daher dürfte der hauptsächlich in der
europiden Rasse vorhandene Rhesusfaktor RH*CDe
außerhalb Afrikas
in der Tat der älteste sein. Er kommt außer unter Afrikanern bei
allen Menschen vor, mit einem Maximum unter den Ureinwohnern
Neu-Guineas, aber auch unter der paläosibirischen Bevölkerung
Amerikas. Der australische Rhesusfaktor RH*CDe kommt unter
Afrikanern nur innerhalb der khoisaniden Altschicht vor, die jünger
ist als die niger-kongo-sprachigen Afrikaner, bei denen er durch
Gendrift wohl schon ausgestorben ist. Dieser Rhesusfaktor fehlt
nahezu völlig bei den Bantu-Völkern, die die eigentlichen Negriden
ausmachen. Nichtsdestotrotz muß er auch bei den phylogenetisch
älteren Europäern anfangs in höheren Frequenzen vorhanden gewesen
sein, wobei er nach Westen hin deutlich schwächer wird.

Abbildung 2: Die Entstehung der menschlichen Rhesusfaktoren
Afrika besitzt einen eigenen
Rhesusfaktor, der ebenfalls schon vor der Geburt der negriden Rasse
dagewesen sein muß, da er das Mittelmeer als Grenze besitzt, die
scheinbar erst nach der eustatischen Anhebung des Meeresspiegels
gezogen wurde. So findet sich der afroasiatische Rhesusfaktor RH*cDe
vor allem noch
in älteren australiden Haplogruppen, nicht mehr jedoch in austronesischen,
die offenbar kein Erbe des Präsapiens sind. Die heute nur noch in
Afrika vorhandene Haplogruppe L3 war früher zweifellos auch
in Süd- und Südostasien verbreitet, was die Existenz des
afroasiatischen Rhesusfaktors RH*cDe in Australien beweist.
Der australische Rhesusfaktor RH*CDe muß in jedem Fall jünger
sein als der afroasiatische RH*cDe, da er sonst in Afrika
in höheren Frequenzen vorkommen würde. Der ältesten Haplogruppe N kann
somit als Rhesusfaktor eindeutig dieser australische Haplotyp
zugeordnet werden, der sich aus dem älteren afroasiatischen
Rhesusfaktor RH*cDe herleiten läßt. Aus letzterem sind
vermutlich alle übrigen Rhesusfaktoren hervorgegangen: der
austronesische Rhesusfaktor RH*cDE und der indogermanische
Rhesusfaktor RH*cde.
Die australische Haupthaplogruppe N
hat ihren Ursprung vermutlich in Südostasien, wo sie sich über L3
von M abgespalten hat. Sie wurde über die Beringstraße auch
bis nach Amerika getragen und später in den Pazifik. Die Abspaltung
des Negriden vom Australiden kann jedenfalls nur im
australisch-afroasiatischen Kontaktraum innerhalb der afrikanischen
Altschicht stattgefunden haben, was durch das gemeinsame Vorkommen
der Haplogruppen L3 und N unter Palästinensern und
Ägyptern in Nordafrika untermauert wird. Der austronesische
Rhesusfaktor RH*cDE kann somit ebenfalls nur aus dem afroasiatischen
hervorgegangen sein, und dies muß sich nahe Australien ereignet
haben, sonst hätte er nicht bis nach Amerika Verbreitung finden
können. Er findet sich bei sämtlichen Haplogruppen, die von M
abzweigen, sowie in L3, nur nicht bei den sich später von der
afrikanischen Altschicht abspaltenden Negriden der Haplogruppe
L2. Insbesondere vermißt man unter Negriden den
Rhesusfaktor RH*cDE nahezu völlig, d.h. wegen deren späten
Erscheinens kann dieser Rhesusfaktor nur jüngeren Datums sein. Er
kennzeichnet die Sprecher austronesischer, sinotibetischer und
amerikanischer Sprachen. Der austronesische Rhesusfaktor RH*cDE
muß jedenfalls jünger sein als der australische, da auf Madagaskar
neben dem afroasiatischen fast ausschließlich der australische
Rhesusfaktor vorkommt, der wahrscheinlich von polynesischen Gruppen
über den Indischen Ozean auf die Insel gebracht worden ist, noch
bevor es den austronesischen Rhesusfaktor überhaupt gab.
Der Rhesusfaktor RH*cde ist
sicher als letzter entstanden, da er im Osten fast völlig fehlt,
insbesondere auch unter den Alteuropiden des austro-melanesischen
Raums. Er deckt sich weitgehend mit dem Bereich der germanischen
Kentumsprachen, kann daher erst während der relativ späten Entstehung
der negriden Rasse entstanden sein. Beim Rhesusfaktor verhält
es sich nämlich so, daß dasjenige Allel (D oder d),
welches zu Beginn in der Minderzahl ist, immer als erstes ausstirbt.
Der indogermanische Rhesusfaktor kann daher in der
afrikanischen Altschicht noch nicht vorhanden gewesen sein und konnte sich innerhalb der
australiden Haupthaplogruppe N, wo er zahlenmäßig unterlegen
war, nur in der Haplogruppe R gegen ältere Rhesusfaktoren
behaupten. Rhesus-negativ kommt außer in Europa und Südasien nur in
Afrika vor. Dies zeigt, daß der Mensch seinen Rhesusfaktor in
Afrika verloren haben muß, und daß Afrikaner und Europäer enger
verwandt sind als Afrikaner und Mongolide – sonst wäre er nicht auch
unter den Bantu-Völkern zu finden. Es zeigt ebenso, daß die
Vorfahren der heutigen Afrikaner von Nordosten (Neu-Guinea) aus nach
Afrika eingewandert sein müssen. Der indogermanische Rhesusfaktor
kann daher frühestens kaukasischen Haplogruppen zugeordnet werden,
nicht jedoch australiden generell. Das ist auch der Grund, warum für
die Haupthaplogruppe N die beiden in Europa häufigsten
Rhesusfaktoren RH*CDe und RH*cde charakteristisch
sind. Die meisten rhesus-positiven Europäer sind nämlich
heterozygot, d.h. sie besitzen eine Kombination aus beiden Allelen.
Getreu dem Prinzip, wonach die
ältesten Rassen stets am stärksten durchmischt sind und die jüngsten
die ältesten Gene besitzen, können wir hinsichtlich der Verteilung
der Haplogruppen feststellen, daß die Haplogruppe N in jedem
Fall älter sein muß als die Haplogruppe M. So ist
beispielsweise der indogermanische Rhesusfaktor innerhalb der
jüngsten austronesischen Rassen, die durch die Haplogruppen M,
Q, C, D und E charakterisiert sind, noch
gar nicht festzustellen, und auch noch nicht innerhalb der ältesten
australiden Haplogruppen N und P. Erst die
Haupthaplogruppe N weist sämtliche Rhesusfaktoren auf,
wenngleich der afroasiatische Rhesusfaktor mit Ausnahme von Afrika,
wenn man das erhöhte Vorkommen auf der Arabischen Halbinsel
ausklammert, schon in Australien nahezu ausgestorben war. Insofern steht die Haplogruppe L3 einmal mehr der
Haplogruppe N näher, wobei nur die Haplogruppe M1
direkt nach Afrika verweist. Die Haplogruppe L3 kommt nämlich
nicht nur im afrikanisch-asiatischen Kontaktraum vor, sondern auch
unter den Berberiden Nordafrikas, also in eindeutig nicht negriden
Bevölkerungen. Dasselbe gilt, wenngleich in bescheidenerem Umfang,
auch für die Haplogruppen L2 und L1, wobei die Haplogruppe L2
den negriden Bantu-Stämmen zuzuordnen ist, also erst relativ jungen
Datums sein kann. Die Wurzel des menschlichen Stammbaums mag zwar
theoretisch immer noch in Afrika zu suchen sein, allerdings haben
die Bantu das heute von ihnen besiedelte Gebiet erst im ersten
Jahrtausend vor Christi bezogen. Der Ursprung der mitochondrischen
Ur-Eva darf daher nur in der Haplogruppe N, etwa unter den
Vorfahren der Ureinwohner Australiens angenommen werden.
Auch das Gammaketten-Marker-System
(Abbildung 3)
ist erst während der hominiden Sapiensentwicklung entstanden. In
ähnlicher Weise wie beim Rhesussystem entspricht bei diesem
Blutgruppensystem der Haplotyp GM*1;21 dem australischen
Rhesusfaktor RH*CDe, der nahezu die gesamte australische
Haplogruppe N repräsentiert. Charakteristisch für diese
älteste Haupthaplogruppe ist ebenfalls der jüngere
Gammaketten-Marker-Haplotyp GM*1,3;5,13, der allerdings auf
den austroasiatischen Raum begrenzt bleibt. Von Afrika kommend
kann dann der Gammaketten-Marker-Haplotyp der europiden
Altschicht GM*1;5,13, der dem afroasiatischen Rhesusfaktor
RH*cDe entspricht, auf die Haplogruppe L3 übertragen
werden, wobei der nur bei den Bantustämmen vorkommende afrikanische
Haplotyp GM*1;5,6 der Haplogruppe L2 gleichzusetzen
ist. Die Brücke zum Mongoliden hingegen stellt der austronesische Haplotyp GM*1,2;21 dar, der dem
austronesischen Rhesusfaktor
RH*cDE und der Haupthaplogruppe M entspricht. Ins
Europide verweist dagegen der Haplotyp GM*1;13,15,16, der
vermutlich das Pendant zur Haplogruppe A darstellt. Der
Haplotyp GM*3;5,13 schließlich ist dem indogermanischen
Rhesusfaktor RH*cde der Haplogruppe H vergleichbar.

Abbildung 3: Die Entstehung des Gammaketten-Marker-Systems
Völlig analog zu den
mitochondrischen
Haplogruppen verläuft die Einteilung nach Sprachfamilien.
Ausschließlich auf Niger-Kongo-Sprachen beschränkt ist der
subsaharanische Haplotyp GM*1;5,6 (Haplogruppe L2),
der wiederum nur aus dem afroasiatischen hervorgegangen sein kann.
Eine Besonderheit stellt in Asien der altaische Haplotyp
GM*1;13,15,16 dar, der rein auf altaische Sprachen begrenzt ist
und nur auf den alteuropiden bzw. afroasiatischen Haplotyp
GM*1;5,13 (Haplogruppe L3) folgen kann. Sicher ist, daß
dieser Haplotyp nicht weiter als bis Nordamerika gelangt ist. Des
weiteren fällt in Asien noch ein weddider Haplotyp
GM*1,3;5,13 (Haplogruppe R) auf, der auf die
austroasiatischen, sinotibetischen, die Tai-Kadai- und die
austronesischen Sprachen beschränkt ist, also erst in jüngerer
Zeit entstanden sein kann, zumal er in Australien noch nicht
vorkommt. Fest steht, daß die Träger dieses Merkmals auf jeden Fall
nicht nach Amerika gelangt sind. Der ältere australische Haplotyp
GM*1;21 ist in jeder Sprache dieser Welt der häufigste, außer
in den Niger-Kongo- und den nilo-saharanischen Sprachen, und daher
vermutlich auch der älteste. Seine größte Frequenz erreicht dieser
Haplotyp in den Papua- und austronesischen Sprachen, aber auch unter
den drawidischen und sinotibetischen sowie den eskimo-alëutischen
Sprachen kommen signifikant hohe Frequenzen vor, während in Europa
nur noch die Basken und die uralisch sprechenden Samen
überdurchschnittlich hohe Werte erreichen. Die im äußersten
Nordwesten Asiens gesprochenen paläosibirischen Sprachen sind
ebenfalls mit diesem Haplotyp in Verbindung zu bringen. Der
afroasiatische Haplotyp (Haplogruppe L3) entspricht exakt den
Sprechern afroasiatischer Sprachen, wohingegen der austronesische Haplotyp GM*1,2;21 (Haupthaplogruppe
M) mit Sprechern
altaischer und uralischer, aber auch indigener amerikanischer
Sprachen übereinstimmt. Der indogermanische Haplotyp GM*3;5,13
(Haplogruppe H) schließlich deckt sich überwiegend mit dem
Verbreitungsgebiet indogermanischer Sprachen. Er kommt außer in
Europa und Südasien praktisch nur in Nordafrika häufiger vor.
Der menschliche Stammbaum beginnt also
mit der Haplogruppe L3 in Ostafrika, verlagert sich dann über
einen größeren Zeitraum, in dem Funde fehlen, nach Südostasien in
den australo-melanesischen Raum, dem vermuteten Zentrum der Haplogruppe
N, die noch die europide Altschicht
repräsentiert. Die dort abzweigenden Haplogruppen sind X und A, die mit der ersten Einwandererwelle
nach Amerika gebracht wurden. Eine Gruppe dieser Alteuropiden
gelangte auf einer südlich des Himalaya verlaufenden Wanderroute
zurück nach Afrika und stellte dort die teilweise durch negride
Züge charakterisierte afrikanische Altschicht der Haplogruppe L1,
die sich bis nach Südafrika ausbreitete. Ein anderer Teil dieser bereits
mongolid anmutenden Bevölkerung wanderte von dort aus wieder gen Osten
und rekrutierte auf dem asiatischen Kontinent die palämongolide
Ureinwohnerschaft Südostasiens. Von dort erfolgte der weitere Weg der
Austronesier einerseits in die Gebiete Sibiriens, wo sich im
Altai-Gebirge die mongolide Rasse herausbildete, deren Vertreter in
einer zweiten Welle über die Beringstraße nach Nordamerika
einwanderten, andererseits entstand in China die europide Rasse der
Polynesiden, die den Pazifik bis zu den Osterinseln befuhren und von
dort aus in einer dritten Einwanderungswelle die Hochkulturen
Amerikas begründeten. Aus einem anderen Teil der Australiden, der
südlich des Himalaya zog, entwickelten sich die Weddiden
(Haplogruppe R), während wieder ein anderer Teil
sich nördlich in die Altai-Region und weiter ins Tarimbecken wandte und
dort die protoiranischen Völker (Haplogruppe HV) stellte, von
denen sich später die Indogermanen (Haplogruppe H) abspalteten.
Mithin stellen letztere auf der Skala der mitochondrischen DNA das
derzeitige Endstadium der menschlichen Evolution dar.
Etwas anders liegen
die Verhältnisse, wenn man den Stammbaum nach dem Adam des
Y-Chromonsoms (Abb. 4) ermittelt. Die darin genannten Haplogruppen
haben nichts mit denen der mitochondrischen Eva zu tun.

Abbildung 4: Der Stammbaum nach dem Adam des
Y-Chromosoms
Von der berechneten Wurzel des
Stammbaums zweigen zunächst die Khoisaniden ab, die nach dem Adam
des Y-Chromosoms derzeit älteste bekannte Rasse. Es folgen darauf
die Bambutiden (Pygmäen) und parallel dazu die 4 Haplogruppen der
Australiden (Haplogruppe C), Ainuiden (Haplogruppe D),
Sudaniden (Haplogruppe E) und Weddiden (Haplogruppe F).
D beschränkt sich vollständig auf Asien, während E nur
in Afrika südlich der Sahara vorkommt. Da es außerdem C, D
und F nur in Asien und somit nur außerhalb Afrikas gibt,
können sich die beiden Haplogruppen D und E auch nur
in Asien voneinander getrennt haben, und nicht bereits in Afrika,
was wiederum nur bedeuten kann, daß die Bantu-Völker, von denen
später noch die Kafriden (Haplogruppe E3b) abzweigen, nach
Afrika eingewandert sein müssen. Da die Khoisaniden und Bambutiden
heute nur noch Randgruppen darstellen, beginnt der eigentliche
Stammbaum innerhalb der Altschicht mit der Haplogruppe C, die
ausschließlich in Ostasien, Australien und Nordamerika verbreitetet
ist und den Australiden, aber auch den Polynesiden angehört. Daß
C, welches der Haplogruppe N der mitochondrischen Eva
entspricht, unter traditionell mongoliden Völkern wie den Burjaten,
Ewenken, Korjaken und selbst unter den Mongolen signifikant
vorkommt, zeigt, daß die Mongoliden in patrilinearer Abstammung
Alteuropide sind, während die Chinesen eindeutig dem austronesischen
Rassenkreis zuzuordnen sind. Weitere europide Elemente finden wir
bei den Pygmäen (Haplogruppe B) und den viel später
entstandenen Ainuiden (Haplogruppe D). Die Ainu, welche als
die japanischen Ureinwohner anzusprechen sind, haben ihr
Häufigkeitsmaximum in Tibet und dürften von dort aus nach Japan
eingewandert sein, während die Haplogruppe E der Negriden in
Spuren noch im Mittleren Osten auftaucht. Irgendwo dazwischen
scheinen sich die Negriden von den Ainuiden abgespalten zu haben,
wobei letztere nach ihrem Erscheinungsbild mehr der afrikanischen
Altschicht ähneln. Die Khoisaniden und Bambutiden stellen also
zusammen mit den Australiden und Weddiden die sogenannten
Alteuropiden. Von den Weddiden zweigen ab die Gondiden (Haplogruppe
H), die Orientaliden (Haplogruppe J), die Germaniden (Haplogruppe
I), die Armeniden (Haplogruppe G) sowie die Papua (Haplogruppe
K). Bis hierher sind, außer vielleicht unter den Khoisaniden,
noch keinerlei mongolide Rassenelemente erkennbar, und auch die
typisch negriden Merkmale verschwinden spätestens bei den
Australiden. Erst bei den von der Haplogruppe K abzweigenden
Haplogruppen N und O der Tungiden und Siniden und bei
den Paläosibiriern tauchen mongolide Merkmalskombinationen wieder
auf. Australische Elemente wiederum zeigen die Papua, während die
Paläosibirier das Europide fortpflanzen. Mongolide Elemente gelangen
über die Haplogruppe P (Paläosibirier) auch in die
Haplogruppe Q der Eskimiden, während die europiden
Rassenmerkmale vornehmlich über die Haplogruppe R der
Turaniden weitergegeben werden, die von Australien bis ins Herz
Afrikas vordringen.
Es wird noch zu klären sein, wie die
turanide (altpersische) Haplogruppe R in signifikanten
Anteilen unter die Bevölkerung Kameruns gelangen konnte, und zwar
speziell nur unter diese, während sie im Rest West- und Südafrikas
völlig fehlt. Vermutlich wird die Erklärung auch eine Antwort darauf
geben können, wie sich der turanide (indoeuropäische) Rhesusfaktor
RH*cde (Rhesus-negativ) in die afrikanische Bevölkerung
mischen konnte, wobei dieser Rhesusfaktor, wie mehrfach erwähnt,
erst nach Loslösung Australiens in der turaniden Bevölkerung
entstanden sein kann. Wir werden uns wohl mit dem Gedanken vertraut
machen müssen, daß Nordafrika einschließlich des Gebiets, auf dem
sich heute die Sahara ausbreitet, früher von Europiden besiedelt
war, denen auch die Felszeichnungen und Steinkreise zuzuschreiben
sind, welche sich im Bereich des Tassili, des Akakusgebirges und in
Transvaal so zahlreich finden. Vermutlich war der dauernde
Aufenthalt der Europiden in Afrika unmöglich geworden, da sie der
Malaria und anderen Tropenkrankheiten nichts entgegenzusetzen
hatten. Nur die negride Rasse verfügt aufgrund besonderer
Blutgruppensysteme über ausreichende Schutzmechanismen, um sich
einen länger dauernden Aufenthalt in den Tropen erlauben zu können,
was allerdings immer auch zu Lasten einer gewissen genetischen
Abkopplung geht und mit zahlreichen Erbkonflikten verbunden ist.
Adamsseitig ist der Mensch also
Austronesier, evaseitig Australider. Viele Europäer besitzen
wenigstens ein Allel des australischen Rhesusfaktors, während der
austronesische in Europa eher selten ist. Die Unterschiede liegen in dem
etwa doppelt so hohen Alter der mitochondrischen Eva begründet
verglichen mit dem etwa nur 60.000 Jahre zurückreichenden Alter des
Adam des Y-Chromosoms. Wahrscheinlich schauen wir mit ihm nicht weit
genug in die Vergangenheit zurück, so daß insbesondere die frühen
Zustände Afrikas nur unzureichend Aufschluß geben können. Während in
der älteren Darstellung der mitochondrischen Eva die Weddiden noch
aus den Australiden hervorgehen, sind sie beim Adam des Y-Chromosoms
mit diesen gleichauf. So wie die Paläosibirier der mitochondrischen
Eva aus den Austronesiern entstehen, folgen sie beim Adam des
Y-Chromosoms auf die Papua. Bei der mitochondrischen Eva gehen die
Turaniden unmittelbar aus den Weddiden hervor, wohingegen sie bei
Adam des Y-Chromosoms den Paläosibiriern entspringen. Die Papua, die beim Adam
des Y-Chromosoms Austronesier sind, sind in der mitochondrischen Eva Australide.
Dasselbe trifft auch auf die Eskimiden zu. Die Orientaliden leiten
sich bei der mitochondrischen Eva direkt von den Australiden her, beim
Adam des Y-Chromosoms hingegen von den Weddiden. Polynesier gibt es beim Adam des
Y-Chromosoms überhaupt nicht, sie gehen augenscheinlich völlig in
den Australiden auf. Die Finno-Ugrier zweigen beim Adam des
Y-Chromosoms unmittelbar
von den Weddiden ab, bei der mitochondrischen Eva jedoch von den
Turaniden. Über die Aufschlüsselung der amerikanischen Indianer
lassen sich aus dem Adam des Y-Chromosoms nur ganz bescheidene
Informationen ziehen, sie können nicht weiter aufgelöst werden als
bis zu den Eskimiden. Insbesondere die Tungiden und Siniden haben
keinerlei Entsprechungen zur mitochondrischen Eva. Nur eines scheint
bei jeder Art von Stammbaum sicher: Am Ende seines Verlaufs steht
stets der kulturell hochstehende Europäer, während sich am Anfang
nur Naturvölker finden, die bei ihrer Entdeckung noch auf der Stufe
der Steinzeit standen und denen Jahrtausende ihrer kulturellen
Entwicklung fehlen. Mögen auch nur geringe Unterschiede zwischen den
einzelnen Haplogruppen herrschen, so darf dennoch nicht übersehen
werden, daß die heute ältesten Völker die gesamte Abfolge der
Haplogruppen bereits zu einem früheren Zeitpunkt in einem früheren
Entwicklungsstadium durchlaufen haben, während sich die jüngeren
gerade erst auf dieser Stufe befinden. Wissenschaftlich gesehen
liegt nichts Wertendes darin, den einzelnen Haplogruppen die Namen
von Völkern oder Rassen zuzuordnen, politisch gesehen könnten diese
Erkenntnisse jedoch dazu mißbraucht werden, aufgrund einer
vermeintlich besseren Position im Stammbaum anderen Völkern seine
Herrschaft aufzuzwingen, was in der Vergangenheit nicht wenige
Völker durch Kolonialismus und Imperialismus leidvoll erfahren
mußten. Denn die Reihenfolge der Haplogruppen macht gleichzeitig
die Stufen der kulturellen Leistungen sichtbar, welche von einzelnen
Völkern erbracht wurden, und erlaubt somit eine wertende
Unterscheidung. Nicht zuletzt liefert der menschliche Stammbaum auch
ein Spiegelbild der Entwicklung des menschlichen Geistes, die sich in militärischer Überlegenheit ausdrückt,
beginnend mit dem Faustkeil bis hin zur Atombombe.
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