Stolz thronen sie auf Berg- und Felsenhöhen oder träumen in stillen Wasserflächen. Den Völkern sind sie Inbegriff der Romantik, Schauplätze wilder Kämpfe und die Krönung jeden Landschaftsbildes. Wir aber sehen sie noch anders, uns sind sie Zeugen einer heldenhaften Vergangenheit edler Rassen, Zeugen von viel Kampf und Streit, von innerem Zwist, aber auch von höchster Entwicklung der Sitte und Ritterlichkeit.

Bodo Ebhardt (1865-1945)

Seiten über Burgen gibt es im Internet genug. Die meisten befassen sich mit beschreibenden Aspekten einer Burg, mit der Art ihrer Befestigungen, mit baulichen Veränderungen, ihrer Gründung, dem Ahnherren, mit Besitzerwechsel und der Funktion, die sie erfüllte. Die meisten Darstellungen führen nur solche Burgen oder Ruinen auf, bei denen es noch etwas zu sehen gibt. Unsere Intention ist da ganz anders. Zwar kommt es auch uns auf den Baustil und mögliche Veränderungen an, doch wollen wir uns bewußt auf das Mittelalter beschränken, als den Burgen noch eine entscheidende Rolle in Sachen Verteidigung zukam. Schon ab dem 15. Jh. büßten die Burgen bekanntlich wegen der Erfindung der Feuerwaffen ihre einstige

 

Bedeutung ein. Uns interessieren somit diejenigen Zeiträume, als Burgen der Sitz berühmter Adelsgeschlechter waren und auf ihnen Hof gehalten wurde. Wir wollen wissen, wer auf ihnen damals gelebt hat und wodurch diese Berühmtheit erlangten, d.h. durch welche Taten sie sich auszeichneten. Uns kümmern ihre Heiratsverbindungen, die sie eingingen, um ihren Machtbereich kontinuierlich zu erweitern, es interessiert uns, wie sie groß wurden und auch, wodurch sie ausstarben. Diesen Spuren sind wir nachgegangen, und jede Burg, die hier aufgeführt wird, haben wir persönlich besucht. Dabei kam es uns nicht so sehr auf die Reste an, die wir zu sehen bekamen, sondern schlicht auf das Betreten historisch bedeutsamer Orte. So haben wir auch Burgen aufgesucht, die heute spurlos verschwunden sind, und die, auch wenn sie dem Menschen heute nicht mehr sichtbar gegenübertreten, dennoch einst große Bedeutung besaßen. Viele bekannte Persönlichkeiten unter den Herrschergestalten des Mittelalters fingen recht bescheiden an, wenn man sich vergegenwärtigt, auf welch armselige Stammburgen sie sich manchmal zurückführten. Woraus wir lernen können, daß nicht Herkunft, sondern Tüchtigkeit dasjenige ist, was einen Menschen auszeichnet!